Sintra, vor den Toren Lissabons

Und wieder zurück in Lissabon, schon ziemlich vertraut bei der Anreise über die Ponte 25 de Abril, an der Cristo Rei-Statue vorbei, direkt zum bewährten Hotel. Auto ausgeladen und zurück zur Mietwagenstation, danach direkt wieder in die City. Neben einem kurzen Rundweg mit Tram und den auch vorhandenen Standseilbahnen, sind wir mit der Bahn noch nach Sintra gefahren, der alten Königsstadt, die etwa 20 Kilometer von Lissabon entfernt liegt. Sehr schön war eine kurze „Rundfahrt“, die einem einen sehr guten Eindruck bezüglich der Topografie der Stadt gibt. Man fährt vom Praca do Comercio mit der Straßenbahn 25 bis Bica. Hier steigt man an der Rua de S.Paulo aus und findet unweit hinter einem Hauszugang die untere Station der dortigen Ascensor (Standseilbahn), die in den quirligen Stadtteil Bairro Alto fährt.

Die Fahrt dauert zwar nur 3 Minuten, aber man taucht sofort in eine andere Welt: viel Verkehr, viele Fußgänger in dem sehr hügeligen Bereich. Schön ist es, dass man von dort die schon bekannte Tram 28 dazu nutzen kann, wieder zurück in die zentrale Baixa zu fahren. Von dort stehen einem ja alle Wege und Aktivitäten offen. Am nächsten Tag ging es dann nach Sintra. Schön ist schon die Anfahrt mit einer Art S-Bahn. Die Bahn durchquert die Vororte und man erhält einen guten Eindruck über deren doch sehr unterschiedliches Niveau. Vor allem der Stadtteil Benfica ähnelt eher einem Arbeiterviertel, so dass der Rückschluss auf die Herkunft des bekannten Fußballclubs „Benfica“ nun klar sein sollte, während Sporting in besseren Regionen zuhause ist. Also Benfica die Rot-Weissen aus Lissabon, Sporting dagegen der ETB. Na ja, blöder Vergleich. In Sintra angekommen sieht man hoch über der Stadt die Burganlage Palacio Nacional de Sintra und daneben der Palacio da Pena. Beides ist mit der Buslinie 434 gut zu erreichen, die in einer abenteuerlichen Weise über enge Serpentinen jeden sehenswerten Ort in Sintra miteinander verbindet.

Die Burganlage stammt aus dem 13. Jahrhundert; es ist die einzige erhaltene Palastanlage Portugals aus dem Mittelalter. Der Pena-Palast erwarb 1838 der damalige Königinnengemahl Fernandos II. die Überreste eines alten Klosters von 1511. In den kommenden 16 Jahren entstand die Sommerresidenz der Königsfamilie. Es entstand ein extravagantes Schloss verschiedener Stilrichtungen. Man erkennt dort Rheinburgen und orientalische Minarette, aber auch Azulejos und italienische Renaissancekuppeln, gotische Türmchen und Burgzinnen.

Lissabon hat uns sehr gut gefallen: eine entspannte, abwechselungsreiche Großstadt auf Hügeln, die Orte immer außerordentlich attraktiv machen. Auch die Algarve ist schön, aber leider ausschließlich auf Massentourismus ausgelegt. Eher etwas für Sonnenhungrige und weniger für Individualtouristen. Es sind doch gerade auch die Eindrücke der heimischen Küche und Lebensmitteln, die Besuche im Ausland so attraktiv machen.

Ich würde den Stockfisch auf dem Bild zwar nicht selber essen, aber schon ein solches Bild sagt dem Betrachter, dass man sich eben in fremden Gefilden bewegt, zum Glück. Übrigens war es vom Stockfisch nicht weit zum Kirschenschnaps, der uns dann doch deutlich angenehmer war. Damit verabschieden wir uns für die nächsten Wochen. Mal sehen, wann und von wo die nächsten Berichte kommen.

Algarve, die schönste Küste Europas

Ja, da ist schon was dran. Der rauhe Atlantik und die für die Algarve typischen roten Felsformationen gehen zusammen mit weißen Sand und blauem Himmel eine ideale Symbiose ein. Das gefällt uns richtig gut. Wir haben heute den südwestlichsten Punkt Portugals besucht, den Cabo de Sao Vicente. An der extrem windigen Ecke des Landes befindet sich -wie sollte es auch anders sein- ein wunderbarer Leuchtturm aus dem Jahre 1864. Er ist 62 Meter hoch und warnt vor den gefährlichen Klippen und Felsen.


 Sein Name ist der Geschichte zu entnehmen, die ich zu Lissabon und Vinzenz von Saragossa erzählte. Hier wurde die Leiche an Land gespült und hier wurde auch eine kleine Kapelle errichtet. Auf dem Weg hierhin findet man etliche wunderschöne Buchten, die an Irland oder Cornwall erinnern, aber vom Erleben aufgrund der höheren Temperaturen sehr angenehm sind. Das Bild stammt von einer solchen Bucht, die sich zwischen Cabo und Sagres befindet. Offenbar ein Eldorado für Surfer und Wellenreiter.


 Unser Hotel in der Nähe von Albufeira liegt herausragend auf einem Felsplateu mit Bick auf einen dieser wunderschönen Strände.Man hat hier an allen möglichen Stellen des Geländes Aussichtspunkte eingerichtet, wo man durchaus auch verweilen oder das eine oder andere alkoholische Getränk zu sich nehmen kann. Ansonsten aber ist das eingetreten, was wir schon befürchtet hatten. Das ist ein Touri-Bunker und noch schlimmer: alles ist auf deutsch getrimmt. Und genau das will ich doch im Ausland nicht. Man merkt halt doch, dass Individualtouristen mehr und mehr damit Probleme bekommen, wenn sie beim Abendessen nicht mehr unterscheiden können, ob sie in Portugal oder Oberammergau sind. Nein, das ist generell nichts mehr für uns, aber wir genießen es trotzdem, haben die Schagzahl hier deutlich reduziert und freuen uns auf unsere sonntägliche Rückkehr nach Lissabon. Meinen abschließenden Bericht von diesem Urlaub stelle ich erst nach unserer Rückkehr ein, also frühestens Mitte nächster Woche. Die Internetgebühren sind mir hier einfach zu hoch. Schöne Grüße an alle und bleibt uns und diesem Blog gewogen. 

Lissabon, Belem und Cristo Rei

Regen beim morgendlichen Blick aus dem Fenster, aber wir sind am Atlantik. Schon eine Stunde später riss der Himmel auf und es wurde zunehmend schöner. Also ab nach Belem. Übrigens entpuppten sich unsere Fahrkarten, die 7 Colinas als Tageskarten als Glücksgriff. Lediglich 3,95 Euro pro Person für den ganzen Tag, alle Verkehrsmittel bis auf die Tejo-Fähre und den Bus auf der anderen Seite zur Cristo Rei Statue, das sollte jeder Tourist so machen, billiger und angenehmer gehts nicht. Belem liegt direkt am Tejo. Hier befinden sich am Ufer zwei Türme, der Torre de Belem und Padrao dos Descobrimentos, ein Entdeckerdenkmal. Während der Torre aus dem 16. Jahrhundert stammt, wurde das Denkmal vom Diktator Salazar 1940 in Auftrag gegeben, 1960 noch einmal protzig aufgepeppt. Der Torre de Belem war bis 1755 nur mit dem Boot erreichbar, seitdem steht er ufernah, da sich das Flussbett des Tejo deutlich angehoben hat.


 Was man immer wieder liest und hört: Das Erdeben in Lissabon 1755 hat der Stadt die Geschichte genommen, vieles wurde zerstört, ein gewaltiger Tsunami besorgte den Rest. Unsere Reiseführerin gab die Stärke des damaligen Bebens mit knapp 9 an, also in etwa auf Japan Niveau. Man kann sich die Auswirkungen vorstellen. Und was Beben und Tsunami nicht schafften, besorgte das Feuer. Das Beben fand Allerheiligen statt. In vielen Kirchen brannten ungewöhnlich viele Kerzen mit katastrophalen Folgen. Tagelang brannte es, alles war zerstört, unvorstellbar. Zurück zum Entdeckerdenkmal: Oben befindet sich eine schmale Dachterasse mit wunderbarem Rundumblick; wir waren oben, klasse. Die Hauptattraktion in Belem ist aber das Mosteiro dos Jeronimos. Das Kloster aus dem 16. Jahrhundert ist heute UNESCO Weltkulturerbe und wir haben es dennoch nicht besucht, denn wir wollten weiter. Über den Tejo zur alles überspannenden Cristo Rei Statue mit Blick auf die stark der Golden Gate Bridge in San Francisco ähnelnden Ponte 25 de Abril. Aber der Reihe nach, denn gerade zu Cristo Rei gibt es wieder eine schöne Geschichte, Allein die Christus-Statue mit den ausgebreiteten Armen ist 28 Meter hoch. Doch sie steht auf einer Art Turm, der noch einmal  75 Meter hoch ist und das alles steht auf einem Hügel von 113 Metern über dem Flussbett. 


Damit überragt dieses Bauwerk alles. Es ist der berühmten Statue in Rio de Janeiro nachempfunden und wurde nach dem 2. Weltkrieg errichtet. Als Dank dafür, dass Portugal nicht in den 2. Weltkrieg einbezogen wurde. 1949 begann der Bau, 10 Jahre später wurde das Monument samt Kapelle unter Anwesenheit von mehr als 300.000 Besuchern geweiht. Wenn man hier oben steht und seinen Blick auf die rotgetünchte Brücke schweifen lässt, verliert man sehr schnell die Orientierung, denn gerade von hier aus sieht es aus, als sei man in Kalifornien.


Beide Brücken ähneln sich aus dieser Perspektive einfach unglaublich. Sausalito und Cristo Rei sind für uns damit eine unauflösliche Verbindung eingegangen. Und was sagen die Reiseführer? Sie vergleichen nicht nur mit der Golden Gate sondern auch mit der San Francisco-Oakland Bay Bridge. Und warum? Beide Brücken wurden von der selben Firma gebaut: der American Bridge Company. Genug der Geschichten und Fakten: Jetzt gehts zur Algarve, in einen Touri-Bunker in der Nähe von Albufeira. Zugegeben: gut bewertet, aber eigentlich nicht mehr unsere Sache. Ich werde berichten, bleibt also dran.

Einschub: Lissabon, die Nelkenrevolution

Fast vergessen, die interessanteste Geschichte unserer Stadtführerin: die Nelkenrevolution. Portugal ist zwar seit 1986 Mitglied in der EU, aber noch bis 1974 regierten die Faschisten unter Salazar und später Caetano. Doch das Volk begehrte auf. Die Ölkriese schließlich ließ das Militär handeln. Soldaten in der Opposition organisierten sich und vereinbarten am 24. April 1974 loszuschlagen. Startsignal sollten zwei unter den Faschisten seit Jahrzehnten verbotene Lieder, gespielt in den Radiosendern Portugals sein. Und tatsächlich, gegen 23.00 Uhr erklang Paulo Carvalhos "E depois do Adeus"; 90 Minuten später Alfons Zecas "Grandola Vila Morena". Draufhin besetzten die Soldaten alle strategisch wichtigen Punkte, die öffentlichen Ämter, Ministerien, aber auch Radio- und TV-Sender. Sie stießen auf keinen nennenswerten Widerstand. Schon am nächsten Abend war der Largo do Carmo, einer der schönsten Plätze Lissabons, von Bürgern und Soldaten besetzt, die das Ende des Faschismus feierten und mit Nelken Ausdruck verleihten, die den Soldaten in die Gewehrläufe gesteckt wurden.

 Wieder ein Beispiel für eine friedliche Revolution, deren Zeit offenbar gekommen war.

Lissabon, Parque das Nacoes (EXPO Gelände 1998)

Nicht überall, wo Internet draufsteht, ist auch kostenfreies Internet drin. Im Gegenteil, hier muss man überall den Zugang bezahlen. Mindestens 5,-- Euro sind für eine Stunde fällig. Für uns Amerikaverwöhnte mehr als ungewöhnlich. Zumal die Portugiesen im Schnitt nur etwa 800,-- Euro verdienen. Essen, Trinken, Lebensmittel sind hier zwar preiswerter, aber zum Beispiel Benzin sogar teurer, als bei uns. Und die Höhe der Autobahnmaut für die Strecke Lissabon - Algarve (etwa 250 km) sollte uns später auch verwundern, knapp 20,-- Euro, schon ein Pfund, wenn man die Diskussionen um eine solche Einführung bei uns mal in Vergleich stellt. Wie auch immer: es regnete. Wie also kurzentschlossen zum ehemaligen Weltausstellungsgelände, dem Parque das Nacoes. Hier entstand anlässlich der EXPO 1998 eigentlich ein völlig neuer Stadtteil mit moderner, ein wenig an die Hamburger Hafencity erinnernder Architektur. Und gebaut wurde auch das Oceanario, ein riesiges Meerwasserauarium mit einem zrntralen Becken von 5-Millionen Litern Meerwassser. Toll angelegt und ähnlich beeindruckend, wie das Aquarium in Boston, über das ich an anderer Stelle dieses Blogs berichtet hatte. Ein Unterschied: In Boston konnte man auch von einer Art Podest oben auf die Wasserfläche schauen, dies war hier nicht möglich. Ansonsten aber ein Pflichtpunkt für jede Städtetour. Da es inzwischen noch stärker regnete, beendeten wir den Tag und beschlossen am nächsten Tag Belem und die Fährfahrt über den Tejo zu unternehmen. Der Wetterbericht war gut, die Prognose sollte sich als richtig herausstellen.

Lissabon, entspannte und abwechselungsreiche Stadt am Tejo

Nach drei Stunden Flug Ankunft an einem recht citynahen Flughafen. Erste Handlung: Fahrkarten aller Art besorgt, zunächst die Tickets für den Aeroshuttle zwecks Transport in die Stadt, danach 3 Tagestickets für alle öffentlichen Verkehrsmittel (Busse, Straßenbahnen, U-Bahn) bei der Post besorgt und damit gleich das erste Problem für alle Tage beseitigt. 25,-- Euro kostete der Spaß, wohlgemerkt für 3 Tage und 2 Personen. Man vergleiche das mit entsprechenden Tickets in Köln oder anderen Großstädten um uns herum. Erstmal zum Hotel, dem Corinthia Lissabon. Ein Riesenhaus, 24 Stockwerke, 500 Zimmer, aber megagünstig über ebay gebucht. Erspranis durch die vorab bezahlten Gutscheine: etwa 50%. Das Hotel liegt etwas außerhalb der City, man benötigt mit der Metro 10 Minuten und die Station liegt nur 2 Minten vom Hotel entfernt, passt! Ein Zimmer in den oberen Stockwerken erbeten; gewährt: 16. Etage, schöner Blick, frisch renovierter Raum, guter Start. Da wir schon mittags einchecken konnten, stand der Nachmittag ganz im Zeichen erster Eindrücke.


Direkt vom Praca do Comercio, dem Hauptplatz der City direkt amTejo, zu Fuß und mit der berühmten Tram 28 durch die Ortsteile Alfama und Gracia. Was für enge Gassen, fantastische Plätze mit atemberaubenden Aussichten. Und diese wunderbar nostalgische Tram 28. Das Teil hat gerade mal Platz für knapp 50 Personen. Fast immer überfüllt quält sich die Bahn durch engste Gassen hoch in den Stadtteil Gracia. Selten hat uns Tramfahren so einen Spaß bereitet. Die Teile kommen fast nicht vorwärts, aber sie rocken, richtig gut.


Wir sind dann von oben heruntergelaufen (die Supersportler sollten es sicher andersherum machen) und haben immer wieder Station an den tollen Aussichtspunkten gemacht. Vor allem die Miradouro da Graca und de Nossa Senhora do Monte bieten grandiose Blicke vor allem auf das Mosteiro de Sao Vincente de Fora, das einstige Augustinerkloster.


Hierzu erzählt man sich hier eine schöne Legende: Die Bauten sind dem Schutzpatron von Lissabon, dem heiligen Vinzenz von Saragossa gewidmet. Vinzenz starb bereits 304 als Märtyrer in Spanien. Seine leiche warf man den Vögeln zum Fraß vor. Doch es kam anders, denn zwei Raben erschienen auf der Blidfläche und übernahmen den Schutz des Patrons. Sie wichen ihm auch nicht von der Seite, als man die leiche in einem Boot aussetzte. Dieses Boot wurde am südwestlichsten Punkt Portugals, dem Cabo Sao Vicente angespült, wo man zu seinen Ehren eine Kapelle errichtete. 1160 schließlich wurden die gebeine von Vinzenz nach Lissabon geholt und der "Heilige", Schiff und Raben wurden im Stadtwappen verewigt. Schön, oder? Der 2. Tag, der ab mittags regnerisch werden sollte, ließ uns aber vorher genug Zeit für eine Stadtführung zu Fuß. Nach unserer Auffassung gibt es einfach nichts besseres, um sich einen ersten kompetenten Überblick über Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte zu verschaffen. Auch diesmal war es nicht anders. Die Führung begann wieder am Praca do Comercio und führte dann zunächst durch den Stadtteil Baixa. Nach dem verheerenden Erdbeben am 1. November 1755 war der ursprüngliche Ortsteil total zerstört. Er wurde dann nach einem schachbrettmusterartigen Plan wieder aufgebaut. So ähnelt der Bereich heute vor allem Wien. Der Elevator de Santa Justa, der sich im Norden der Baixa befindet, ist schon ein ungewöhnliches öffentliches Verkehrsmittel. Er verbindet Unter- mit Oberstadt und überwindet 30 Meter. Für die einfache Fahrt benötigt man eine normale Fahrkarte der Carris (dem örtlichen Transportunternehmen). Die Menschen stehen unten Schlange, aber Einheimische habe ich nicht gesehen.


Einige Meter weiter wird eine Lissaboner Spezialität ausgeschenkt. An einer kleinen Ladentheke erhält man eine Art "Aufgesetzten, den Grinjinha..Ein Kirschenschnaps, der es in sich hat, aber wirklich gut schmeckt und nur hier so hergestellt wird, lecker. Dann fing es an zu regnen und wir stellten unseren Plan um. Aber davon später mehr... 

Portugal eröffnet die Reisesaison 2011

Endlich ist es wieder soweit: Urlaub und endlich wieder neue Einträge in diesem Blog. Raubuch’s gehen wieder auf tour. Eine abwechselungsreiche Saison steht bevor. Zunächst geht es jetzt nach Lissabon und einige Tage an die Algarve, also eher etwas Konventionelles. Nun Lissabon hat uns schon immer gereizt. Optisch durch die Ponte 25 de Abril-Brücke doch stark an San Francisco erinnernd, werden wir uns in bewährter Weise mit Bruno & Doris ins Getümmel stürzen. Wir sind gut vorbereitet und freuen uns auf viele interessante Eindrücke. Nach einigen Tagen werden wir dann getrennte Wege gehen, denn während Klaudia und ich dem Konventionellen mit einem 4-tägigen Aufenthalt in Albufeira an der Algarve eher noch einen draufsetzen, fahren Bruno & Doris in den Norden, um dort sicherlich abseits der üblichen touristischen Wege einige hoffentlich schöne Tage zu verbringen. Für den letzten Abend dieser Reise haben wir uns aber wieder verabredet, weil wir am Tag danach alle vom Flughafen Lissabon aus wieder zurückfliegen. Und der Rest des Jahres? Schon im Mai geht es für uns noch eine Woche in unsere Lieblingsregion, die Neuenglandstaaten in den USA. Diesmal werden wir von Boston aus nach Maine reisen. Und im September soll es noch einmal an die Westküste Kanadas gehen, Zielflughafen Vancouver oder Seattle, na ja, vielleicht mit einem Zwischenstopp vorab in Las Vegas oder Chicago. Das entscheiden wir später und von allen Orten werden wir in bewährter Weise berichten. Schaut also ab und zu vorbei und tragt Euch im Abo- oder RSS-Feed-Bereich ein, damit Ihr nichts verpasst.  

Dresden, die barocke Stadt hat uns mächtig beeindruckt

Die letzte Reise in 2010 führte uns erstmals in den ehemaligen Osten. Ein Wunsch, den wir schon lange hatten, aber erst in den vergangenen Tagen realisierten. Und es sollte Dresden sein. Zunächst hatten wir am Einheitstag (3.10.) besonders günstige Flugtickets von Lufthansa erwerben können, so dass wir nach knapp 60 Minuten am modernen und überschaubaren Dresdner Flughafen ausstiegen. Danach 15 Minuten S-Bahn und 8 Minuten Tram und wir waren am Hotel und dies für sagenhafte 2,--€ pro Person. Man hat in Dresden einfach das Tarifsystem entzerrt und das gesamte Stadtgebiet (eben einschließlich des Flughafens) in die 2,--€-Zone gepackt. Das war schon einmal ein guter Einstieg. Der Tipp eines Kollegen war Gold wert. Er hatte uns das Hotel „Am Terrassenufer“ empfohlen, preiswert, direkt an der Elbe, fünf Minuten zur Altstadt, hohes Gebäude (12 Etagen), von außen bieder, von innen schön renoviert mit großen Räumen und einem sagenhaften Blick auf die immer wieder mit Florenz verglichene Altstadt-Silhouette. Ich bemühte mich natürlich um ein Zimmer weit oben und gelandet sind wir in Raum 1201, also optimaler geht’s kaum.


 Die Frauenkirche haben wir dann noch am Abend besucht. Immer um 12.00 und um 18.00 Uhr finden dort Andachten mit anschließender Kirchenführung statt. Das hat den Vorteil, dass man sitzenbleibt, in der Zeit Publikumsverkehr unterbunden ist und man auch einige Töne der Orgel genießen darf. Und es ist ein Wahnsinn. Für mich vor allem innen durch die hellen Farben und viel Licht eine Kirche, die man so eher in Italien und sicherlich auch eher bei der Konkurrenz vermutet.


In Verbindung mit der Geschichte der Zerstörung bei den schlimmen Dresdner Bombenangriffen im Februar 1945 und dem Wiederaufbau, finanziert mit Spendengeldern aus der ganzen Welt, ist hier ein Monument des Friedens, der Versöhnung und der Solidarität entstanden. Als am 31.10.2005 die Kirche geweiht wurde, dürften nicht nur Dresdnern die Tränen in den Augen gestanden haben.


Die Folgetage waren dann ein Marathon von über 20 Stunden Besichtigungstour durch die Altstadt, ein Walk über die Prager Straße (Einkaufsstraße) zum Hauptbahnhof, ein Abstecher zum Panometer, zum „blauen Wunder“ und die Besuche vom Zwinger, der Hofkirche, der Semperoper (mit Führung) und den Museen im Residenzschloss mit seinen unglaublichen Reichtümern. Daneben blieb immer ausreichend Zeit, um das wirklich gute Essen in verschiedenen Gewölberestaurants (Sophienkeller, Pulverturm), ein gutes Glas Wein und das eine oder andere Radeberger zu immer guten Preisen zu genießen.

Wir begannen mit einem 90-minütigen geführten Stadtrundgang (besser kann man in eine solche Städtetour nicht starten), der uns an alle wichtigen Punkte führte. Danach war klar, dass sich in der Altstadt die vielen Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum befanden und die überall angebotenen Stadtrundfahrten eher überflüssig sind. Ich kann und will hier nicht auf alle Einzelheiten eingehen, deshalb nur kurze Infos zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten. Der Zwinger ist sicherlich ein Meisterwerk der Barockarchitektur. Hier hat schon August der Starke gefeiert. Am Glockenspielpavillon hängt eine sehenswerte Uhr mit einem Glockenspiel, das allerdings nur um 10.15, 14.15 und 18.15 Uhr etwas länger (so 3 Minuten) mit klassischen Melodien zu hören ist.


Neben dem Zwinger die Semperoper, ein Gebäude, welches nach den gleichen Bauplänen in der Geschichte gleich dreimal neu errichtet wurde: 1841 (vernichtet durch Brand 1869), Neubau 1878 (zerstört im Februar 1945 bei der Bombardierung), 1985 nach achtjähriger Bauzeit. Nun erstrahlt das Theater in neuem Glanz. Wer vermutet den Vorraum schon in einem solchen Bau?


Die katholische Hofkirche (offiziell: Kathedrale St. Trinitatis) wurde 1754 fertig gestellt. Die Kirche entstand nur deshalb, weil August vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertieren musste, um 1697 König von Polen werden zu können. Und er benötigte einen repräsentativen Kirchenbau, dessen Vollendung er aber nicht mehr selbst erlebte. Die evangelische Kreuzkirche ist mit 3600 Plätzen eine der größten evangelischen Kirchen Deutschlands, ein -ich muss es so sagen- erschreckend schmuckloser Bau mit schmutzig wirkendem Rauhputz an den Innenwänden. Sehr beeindruckend auch der Fürstenzug, eine Ahnengalerie der Wettiner in der Augustusstraße, die Hofkirche/Theaterplatz mit dem Neumarkt (Frauenkirche) verbindet. Das größte Porzellanbild der Welt zeigt 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige von 1123 bis 1906, dazu weitere 58 Personen. Es ist 1907 aus 25000 Fliesen edlen Meissener Porzellans entstanden. Obwohl es über 100 Meter lang ist und fast 1000 m/2 Fläche belegt, wurde es 1945 kaum beschädigt. Es lag wohl an dem feuerbeständigen Porzellan. Jedenfalls ein beeindruckendes Monument mitten in der Altstadt.


 

Auf zwei Attraktionen außerhalb der Altstadt möchte ich aufmerksam machen. Das blaue Wunder, eine Metallbrücke auf Granitpfeilern wurde 1893 gebaut und galt damals als technisches Meisterwerk.


Heute kann man von hier aus gut den Stadtteil Loschwitz mit seiner Standseil- und Bergschwebebahn erreichen. Aber auch Dresdens Elbufer präsentiert sich hier von seiner schönsten Seite.


In einem alten Gasometer befindet sich ein 360-Grad Rundumbild des barocken Dresdens. Es ist ein lebendiges Bild mit Menschen, Geräuschen und den Gebäuden in einer fantastischen Präsentation. Man kann innerhalb des Gasometers etwa 30 Meter auf eine Plattform steigen und hat einen geradezu majestätischen Blick in alle Richtungen, rundum eben. Eine sehr, sehr schöne Erfahrung.  

Zu den Museen im Residenzschloss muss ich noch etwas ausholen. August der Starke, Kurfürst zu Sachsen (1670-1733) hatte Geld wie Heu, viel Macht und Einfluss und nur eine wirkliche Leidenschaft: Das Sammeln von Kunst und wertvollen Gegenständen. Was dieser spätere König von Polen (ab 1697), dessen Herz sich in der Gruft der Hofkirche befindet (sein Körper liegt in der Wawelkathedrale in Krakau), zusammengetragen und gekauft hat, ist unglaublich. In den vielen Museen der Stadt lagern unvorstellbare Reichtümer. Wir haben uns beschränkt auf das Schloss und das grüne Gewölbe mit dem angeschlossenen historischen Teil. Hierfür müssen Zeiteintrittskarten (Internet oder Tageskasse) erworben werden, da sich in diesen Räumen in einer Stunde nur 100 Besucher gleichzeitig aufhalten dürfen. Im historischen grünen Gewölbe wurden zu Kriegsende nur drei der acht Räume vollständig zerstört. Die Schätze konnten dagegen überwiegend gerettet werden. Nach aufwendigen Restaurationsarbeiten erstrahlt alles in hellem Glanze. Hier findet sich von Gemälden über Edelsteine, Elfenbeinschnitzereien, Gold-, Silber-, Bronze- und Bernsteinarbeiten nur Wertvolles. Und die Gegenstände sind alle 300-500 Jahre alt. Faszinierend ist auch ein Kirschkern, den man unter einer Lupe betrachten kann und in den angeblich 180 individuelle Gesichter geschnitzt wurden. Experten konnten zwar nur 113 entdecken, aber auch dies ist schier unvorstellbar. Eine wirklich beeindruckende Sammlung, die man sicher gesehen haben muss. Es stehen kostenfreie Audioguides zur Verfügung.  

Fazit: Eine tolle Städtetour in einer wunderbaren Stadt mit entspannten und freundlichen Bewohnern. Ich weiß zwar nicht wirklich, was wir erwartet hatten, aber wir fühlten uns von Anfang an gut und sicher aufgehoben. Es wird auch Motivation dafür sein, uns mit anderen Orten im Osten der Republik zu beschäftigen. Aber auch Dresden wird uns wiedersehen, das nächste Mal hoffentlich zur Vorweihnachtszeit.

Ab sofort beginnen wir dann mit der Planung und Organisation unseres nächsten Trips. Ende März 2011 stehen dann Lissabon & die Mitte Portugals auf dem Programm. Dann sicherlich wieder mit Berichten direkt von dort.       

Typisches Irland auf kleinstem Raum: Killarney Nationalpark

Ganz in der Nähe des Flughafens Kerry liegt eine typische Touristenansiedlung, die man auch Stadt nennen kann, Killarney. Ein Ort, den sicher so niemand braucht, aber er ist für viele Touristen Ausgangspunkt für Touren über den Ring of Kerry und vor allem den Killarney Nationalpark. Und dieser Park hat alles, was Irland für die Besucher ausmacht: Burgen, Herrenhäuser (Schlösser), tiefblaue Seen, Wasserfälle, grüne Wiesen auf hügeligem Gelände und Pferdekutschen. Ein Eldorado vor allem für Fotofans. So war der Ort für den gemeinsamen Tag mit Kristin, Andi & Julius gut gewählt. Der Junge war gut drauf, das Wetter spielte mit und so konnten wir nacheinander das Ross Castle

und das Muckross House am Lough Leane bewundern.


Danach besuchten wir die Torc Wasserfälle, um schließlich karges Gelände am Gap of Dunloe auf abenteuerlichen Wegen abzufahren.


Dabei sind Ross Castle und das Muckross House echte Postkartenmotive. Die Lage am See machten Fotos zu einem wahren Vergnügen.


Wer wenig Zeit hat, sollte sich in und um Kerry auf den Nationalpark und einen der drei Halbinseln (Dingle, Kerry oder Beara) konzentrieren. Es wird sich Hochgenuß einstellen und Lust auf mehr Irland wecken. Auch wir werden sicher noch einmal zurückkehren, dann aber, um den Norden und Nordirland in Angriff zu nehmen. Und es war wirklich einmalig, wie uns Irland verabschiedete, mit einem beeindruckenden Regenbogen im Gap of Dunloe.  


Irland (Kerry), grüne Hügel, raue See und Ruinen...

...bei überraschend gutem Wetter. Schuldig bin ich Euch allen noch das dritte Ziel von Limerick, den Rock of Cashel. Erneut eine Ruine von bedeutsamer Ausstrahlung, die über Tipperary erreicht wird. Ja wirklich der Namensgeber des Songs "It is a long way to Tipperary". Schon von weitem ist die auf einem 70 Meter hohen Hügel errichtete Kathedrale aus dem Jahre 1235 zu sehen. Vor über 250 Jahren wurde das Gebäude aufgegeben, es verfiel und erreichte hierdurch diesen ungemeinen Charme. Sonnenstrahlen eröffnen durch die noch vorhandenen Mauern und Fensterlöcher immer neue Perspektiven und Eindrücke.

 

Das Dach über dem Mittelschiff der alten Kathedrale besteht noch, was der Phantasie gute Dienste leistet, wie es hier früher wohl ausgesehen hat. Von draußen hat man einen herrlichen Blick über das für Irland so typische immer grüne und hügelige Land.

 Am Fuß des Hügels ein weiteres verfallenes Kloster, zu dem ein Fußweg in knapp 20 Minuten führt. Der total überwucherte alte Friedhof mit noch wenigen Grabsteinen machte Eindruck. Auf der Rückfahrt noch einen Abstecher zum Lough Derg. Hier fühlte man sich dann doch eher an Oberbayern oder Vermont (USA) erinnert. Und dies sollte nicht der einzige Moment bleiben, wo sich Irland von einer ganz anderen Seite zeigte. Das nächste Beispiel schon einen Tag später. Wir verlagerten von Limerick zu unserem zweiten Brückenkopf nach Killarney. Von hier aus wollten wir die Küste und den Nationalpark gleichen Namens erkunden. Und die Küste war schnell erreicht. Wir entschieden uns gegen den touristisch eher bekannten Ring of Kerry und besuchten stattdessen die Halbinsel Dingle. Zunächst fuhren wir bei leichtem Regen in die Hafenstadt Dingle. Hierzu mussten wir die hügelige Mitte der Halbinsel über eine Art Pass queren. Landschaft und Vegetation erinnerten uns an Madeira (wenngleich nicht mit den dortigen Dimensionen). Nach einem kurzen Rundgang in Dingle widmeten wir uns einer relativ kurzen Rundstrecke durch den westlichen Teil der Halbinsel.


Über enge und gewundene Straßen entdeckten wir herrliche Buchten (Ähnlichkeit mit solchen in Cornwall), Sandstrände und natürlich prähistorische Monumente. Insbesondere das so genannte Gallarus Oratorium, ein kleines 1200 Jahre altes Gebetshaus, hatte es uns angetan. Das steinerne Gebäude ähnelt einem umgekehrten Boot und hält noch immer wirksam Regen und Feuchtigkeit aus dem Innenraum. In seiner Schlichtheit eine geniale Konstruktion.


Danach fuhren wir weiter nach Inch, das nicht weiter auffallen würde, aber mit einem riesigen Sandstrand ausgestattet ist, eine Rarität in Irland. Dingle ist sehr abwechselungsreich und eine klare Alternative zu dem touristisch überladenen Ring of Kerry. Nach Rückkehr von Dingle wussten wir auch besser einzuschätzen, warum die Reiseführer ausnahmslos empfehlen, den Ring of Kerry in der klassischen Richtung, d.h. mit den Reisebussen abzufahren. Auch in Dingle hätten wir einem solchen Gefährt nicht ausweichen wollen. Ganz kurz waren wir noch in Adare. Mit seinen strohgedeckten Häusern gilt es als eines der schönsten Dörfer Irlands, aber die Iren sehen das wohl eher so, dass dies das schönste englische Dorf in Irland ist. Wie auch immer, einem Handwerker beim Eindecken bzw. Ausbessern eines solchen Strohdachs zuzusehen, hatte was.

 

Morgen werden wir uns zusammen mit Kristin, Andi & Sohn Julius, die sich zufälligerweise auch hier aufhalten und die wir in Dingle bereits zufällig trafen (unglaublich!) noch dem in der Nähe befindlichen Killarney Nationalpark widmen, am Donnerstag geht es dann wieder in die Heimat.