Irland, Mythen und Schönheit

Eine Woche Urlaub und bis kurz vor Beginn kein Ziel? Sowas gibt es auch bei uns. Klaudias Knie zwang uns zur Vorsicht und so wurden die Planungen ausgesetzt. Nun aber sind wir hier im Süden Irlands angekommen.Erstmals flogen wir mit Ryanair von Weeze am Niederrhein aus nach Kerry zum wohl kleinsten Flughafen, den wir bisher erleben durften. Keine 10 Flüge wickelt dieser Airport am Tage ab, das Terminal sieht aus wie eine bessere Poststation, aber die Wege sind kurz, Mietwagen sind ausreichend vor Ort und die wenigen Servicekräfte sind ausgesprochen freundlich, ein schöner Start, ääh Landung. Das gilt übrigens auch für Ryanair, die überpünktlich starteten und die auch ihr bevorzugtes Boarding im Griff hatten. Um halt bevorzugt an Bord zu kommen, zahlt man 4,--€ pro Flugstrecke Aufpreis und landet, wenn man Glück hat, in den Sitzreihen am Notausgang, wo man mit sehr guter Beinfreiheit ausgeprochen entspannt vor Ort landet. Ryanair ist da übrigens marktradikal: Nur wer zahlt, kommt in diesen Genuss; es gibt beispielsweise auch für Familien mit Kindern keine Ausnahme. Von Kerry ging es dann zunächst einmal 100 km nach Norden zum ersten Brückenkopf nach Limerick.Von hier aus sind drei geplante Ziele gut zu erreichen: Cliffs of Moher im Westen, der Rock of Cashel im Südosten und Clonmacnoise im Norden. Erstes Ziel waren die Cliffs of Moher an der Westküste, sowie die Burren, die mit ihren Kalksteinplatten einen recht großen Bereich des Landstrichs bedecken. Die Cliffs of Moher sind eigentlich Pflichtprogramm eines jeden Irlandbesuchs, soweit er sich im Westen abspielt.

 

Die Steilküsten, die fast 200 Meter senkrecht ins Meer abfallen, sind beliebtes Fotomotiv und werden sehr pofessionell feilgeboten. Man zahlt Eintritt, erhält Grundinfos im angeschlossenen Visitor-Center und Zugang zu den Aussichtspunkten. Wir haben uns dort Zeit gelassen, Sonne und Wolken wechselten sich ab, die Eindrücke der Felswände änderten sich minütlich.Leider blieben die Lichtverhältnisse suboptimal, so dass wir uns von dort nicht ganz zufrieden verabschiedeten. Ab in die nur 20 Kilometer entfernten Burren, eine Kalksteinlandschaft mit außergewöhnlicher Flora und vielfältigen prähistorischen Monumenten.

 

Man muss sich das so vorstellen, dass die Erde dort über viele, viele Quadratkilometer mit Kalksteinplatten bedeckt ist, die tiefe Furchen aufweisen.Hier sammelt sich Wasser und im Frühjahr steht der ganze ansonsten überaus karg wirkende Bereich in voller Blüte. Immerhin wachsen nur hier über 1000 verschiedene Pflanzen, die man in Irland sonst nicht findet. Von freundlichen Servicekräften im Visitor Center in Kilfenora gut informiert, ging es dann über eine der typischen engen Straßen durch das Herz der Burren mit Stops an zwei Monumenten, dem Cahercommaun und dem Poulnabronne Dolmen. Im ersten Fall handelt es sich um ein steinernes Fort aus dem 8. Jahrhundert, welches erstaunlich gut erhalten ist. Das Poulnabronne Dolmen ist ein beeindruckendes Megalithgrab, welches etwa 5000 Jahre alt ist


Allein der Decksein wiegt 1,5 Tonnen und wirkt irgendwie schwerelos. Aber so ist Irland, an jeder Straßenecke findet man Ruinen von Burgen, Kirchen und Klöstern. Hier taucht man schnell ab in die Geschichte der Jahrtausende und stellt sich vor, wie es wohl gewesen ist, das Leben in dieser Zeit.

Einen Tag später ging es nach Clonmacnoise. Auch hier war die Anfahrt wieder etwas beschwerlich, aber der Ort ist jeden Umweg wert. Die alte Klosteranlage liegt am Shannon, diesem lautlosen,breiten Fluß, der durch die Mitte von Irland fließt. Die Ruhe und Würde, die dieser Ort ausstrahlt, hat uns wirklich beeindruckt. Viele Ruinen der dort vorhandenen Kapellen und Kirchen sind 1500 Jahre alt.


Die Mönche haben Wikingerschiffe ankommen sehen, tausend Jahre blieben ihnen, dann zerstörten die Engländer das gesamte Gelände. Drei Hochkreuze wurden hier gesichert und die befinden sich in einem angeschlossenen Museum.


Sie sind typisch irische Kunst, die eine Verbindung zu den Kelten haben. Nur 100 dieser beeindruckenden christlichen Kunstwerke gibt es; sie sind über ganz Irland verteilt, oft aber nur noch in Bruchstücken vorhanden. So ist also Irland? Unfassbar schön, harmonisch  und in einer exponierten Lage, die ihresgleichen sicher sucht. So kann es weitergehen, davon dann später mehr. 

RWE oder Liebe kennt keine Liga

Seit Jahren nur noch Frust, Kopfschütteln und Tränen; so könnte man die Gefühlslage des gemeinen RWE-Fan beschreiben. Nach 3 (!) Abstiegen hintereinander, findet sich der Verein nun in Liga 5 wieder und muss über diese Startberechtigung noch glücklich sein. Denn seit 30.6.2010 kreist der Pleitegeier sehr niedrig über der Hafenstraße. Doch das Insolvenzverfahren wurde fristgerecht eröffnet und der wirklich professionelle Verwalter macht einen guten Job. Schon nächste Woche wird die Gläubigerversammlung stattfinden und nach Lage der Dinge einen kompletten oder annähernd vollständigen Forderungsverzicht erklären. Und hier geht es wirklich nicht um Peanuts, immerhin ist der Schuldenstand auf über 13 Millionen Euro gestiegen. Was mich aber so sicher macht? Die alten Gläubiger sind die aktuellen Sponsoren. Was würde das aktuelle Engagement sonst für einen Sinn machen? Und dann war es wieder soweit. Am gestrigen Abend Saisoneröffnung im Trümmerhaus des deutschen Fußballs. Unter dem Licht der nur 3 Flutlichtmasten und angefeuert von Fans, die auf nur noch 2 ¼-Tribünen ihre Plätze fanden, ging es gegen einen Stadtteilclub aus Duisburg, den VfB Homberg. Und viele trauten schon zu Spielbeginn ihren Augen nicht. Menschen strömten, als hätten die Abstiege nicht stattgefunden und die Kulisse von 6250 Zuschauern, die nebenbei den alten Zuschauerrekord der 5. Liga von 2400 geradezu pulverisierte, machte einen irgendwie stolz und weckte genau die Emotionen, die seit Jahren wie verschüttet schienen. Plötzlich war es wieder da, dieses Heimatgefühl, dieses emotionale Band zwischen Verein, Fans und Mannschaft. In den letzten Jahren gerissen und zerrüttet, schaffte es die neue Mannschaft mit einem Durchschnittsalter knapp über 21 Jahren, die Vorschusslorbeeren durch den zahlreichen Besuch der Fans zurückzuzahlen. Sicher hat bei weitem nicht alles geklappt und beim spielerischen Niveau dieser Liga muss man Abstriche machen, aber das ist in dieser schwierigen Phase, in der sich der Verein befindet, ziemlich egal. Kampf und Einsatzwille waren toll und das hat man hier viel zu lange nicht mehr gesehen. Und letztlich zahlte es sich aus. Als 1 Minute vor Schluss Alexander Thamm, ein Abwehrmann, mit einem Seitfallzieher ein Traumtor zum 1:0 erzielte, glich die Hafenstraße wieder dem emotionalen Schmelztiegel, der sie so berühmt und kultig machte. Jedenfalls hat der totgeglaubte Mythos gestern in seinem Grab von innen an den Deckel geklopft. Ob man ihn wird bergen können? Das werden die nächsten Monate zeigen. 

Schachtzeichen, großartige Aktion im Rahmen der Ruhr 2010

Seit Pfingstsamstag (aber nur bis 30.05.2010) begegnen einem im Ruhrgebiet überall gelbe Ballone. Die Ballone haben einen Durchmesser von 3,7 Metern, darunter befindet sich ein 18 Meter langes Fahnenbanner. Sie schweben 80 Meter über dem Boden und sind durch ihre knallgelbe Farbe überall zu sehen.

 

Aber was soll das? Es ist eine Erinnerung an bergmännische Traditionen, der Mythos Kohle lebt und die Ballone markieren Standorte alter Schächte. Da die Zahl der Bergwerke im Pott bei über 1000 lag, musste für die Aktion eine Auswahl getroffen werden. So hat man nun 311 Schächte markiert, die 1910 bereits in Betrieb gewesen sind oder danach in Betrieb gingen. Es wurden nur Tiefschächte berücksichtigt; Kleinzechen zur Versorgung der Umgebung fielen raus. Wir haben uns das optische Spektakel von einem der so genannten Hochpunkte, hier von der Schurenbachhalde in Altenessen, danach am Handwerkerpark und zuletzt auf dem Gelände Zollverein angesehen. Tolles Panorama in alle Richtungen von der 88 Meter hoch gelegenen Halde, wunderbare Aussicht nach Aufstieg auf den zugänglichen Förderturm „Am Handwerkerpark“ und ein schöner Abschluss beim Blick auf das mit mehreren Ballonen markierte Gelände auf Zollverein. Insgesamt eine ausgesprochen schöne, wie positive Aktion, die die Vergangenheit gerade des Ruhrpotts mit einem echten Farbklex sozusagen aus der Versenkung holt. Das Bild zeigt den Förderturm und Schachtzeichen Am Handwerkerpark. Hier mehr: www.schachtzeichen.de

Cape Cod, Bilder zum Ende der Reise

Zum Ende unserer Reise hier noch einige Bilder, alle aufgenommen in Sandwich. Das Wetter war sehr gut, aber es war mit nur gut 10 Grad empfindlich kühler, als in den vergangenen Tagen. Die alte Getreidemühle von 1654 steht mitten im Ortskern dieses kleinen, sauberen und gepflegten Dorfs, die Strandbilder entstanden in der Nähe an Sandys Beach. Wir sind uns sehr sicher, dass die Region uns wiedersehen wird. 













Nubble Light hat es uns angetan

Ja, dieses Nubble Light hat eine magische Anziehungskraft. Bereits zm dritten Mal waren wir nun hier und immer wieder hat uns dieses Fotomotiv fasziniert.

Das Nubble-Lighthouse wurde 1879 auf einer der Cape Nedick vorgelagerten kleinen Insel gebaut und ist bis heute im Echtbetrieb. Das rötliche Licht kann man auch aus größeren Entfernungen hervorragend erkennen. 1987 verließ der letzte Leuchtturmwärter die Insel, seitdem läuft hier nicht nur alles automatisch, sondern Nubble Island ist seitdem unbewohnt, denn das Betreten der Insel ist strikt untersagt. Welche Bedeutung dieser Ort als Fotomotiv insgesamt besitzt, lässt sich gut daran erkennen, dass sich Nubble Light als Bild auf den "goldenen Schallplatten" in den beiden Voyager-Raumsonden befindet, die wiederum bereits seit 33 Jahren im All unterwegs sind. Neben der bereits oben abgebildeten "Edward Hopper-Version" mit Wolken, jetzt dieses Gesamtkunstwerk noch einmal zur blauen Stunde.


Wir sind inzwischen wieder auf Cape Cod, erfreuen uns bekannter Dinge und genießen die Tage. Schon am Dienstag sind wir zurück, soweit Herr Eyjafjallajökul nichts dagegen hat. Bis zum nächsten Mal und alles Liebe. 

Portland (Maine), wo Rauch ist, ist auch Feuer

Lohnt sich der Besuch von Portland? Nun, wer sich nicht für Kunst interessiert, kann einen Besuch schwänzen.

Wenn man aber ein klein wenig übrig hat für Gemälde, der muss hierher. Denn hier gibt es das Portland Museum of Art. Und wir waren wirklich fasziniert. Andere viel größere Städte haben nix und hier werden einem Gemälde von Renoir, Picasso, Monet & Kandinsky um die Ohren, äh Augen gehauen. Daneben gibt es hier auch Werke von Lichtenstein und Andy Warhol, sowie heimatnahe Künstler wie Edward Hopper zu sehen. Eine besondere Ausstellung beschäftigte sich mit dem Werk von Max Beckmann, einem deutschen Expressionisten. Eine beeindruckende Sammlung, Überraschung 1. Die 2. Überraschung sichteten wir dann am Hafen, denn dort steht ein originales Stück Berliner Mauer. Wie ist die denn hierher gekommen? Keine Ahnung, ich habe es nicht herausgefunden.


Wie auch immer, als wir späten Mittag am Hafen noch eine Clam Chowder aßen, die bekannte Muschelsuppe mit Kartoffeln (wirklich lecker), stiegen unweit des in einem Parkhaus abgestellten Mietwagens dicke schwarze Rauchwolken in den Himmel (Überraschung 3). Was war das denn? Also im Stile eines Blaulichtreporters hin und die Kamera raus. Es brannte ein großer Gebäudekomplex in voller Ausdehnung, wie sich später herausstellte, der größte Brand in Portland seit über 10 Jahren.


Im Parkhaus ging nichts mehr, Also ließen wir uns Zeit und beobachteten vom obersten Parkdeck die Löscharbeiten.

Sehr interessant, dass die Absperrlinien recht nah am Brandort verliefen. Es waren zwar viele Schaulustige da, aber sie behinderten die Arbeiten nicht. Auch eine Vorgehensweise, denn von der Neugier blieb nur "Neu". Die Gier hatte keine Chance, da sofort befriedigt. Nach einer knappen Stunde durften und konnten dann alle Nutzer des Parkhauses mit ihren Fahrzeugen raus. Das Zahlungssystem war komplett abgestürzt, deshalb parkten wir den halben Tag gratis. Nach unserer Rückkehr nach Ogunquit sind wir dann zur blauen Stunde noch einmal zu unserem absoluten Lieblings-Fotomotiv gefahren, dem Nubble Lighthouse auf Cape Neddick. Hierzu später mehr...

Wieder unterwegs in Neuengland

Überraschung, da war der nächste Urlaub erst für den September vorgesehen, aber die Zeitspanne zwischen März und September erschien uns doch zu lange und so kratzten wir Überstunden und restliche Urlaubstage zusammen, um dann recht günstige Flüge mit Delta Airlines zu buchen und für eine Woche in unser erklärtes Favoritengebiet an der amerikanischen Ostküste zurückzukehren. Eine Woche? Nein, nicht wieder diese Diskussion. Für den einen lohnt es sich, der andere zeigt einem den Vogel. Wir nehmen auch gerne die Woche, wenngleich 7 Tage für die Neuerkundung eines Gebietes zu wenig sind, aber für bereits bekannte Bereiche absolut ausreichend. So landeten wir am Dienstag (4. Mai) in Boston, übernahmen den Mietwagen und fuhren sofort raus aus der Metropole Richtung Maine, wo wir nach etwa 90 Minuten in Ogunquit ankamen. Hier ist überall Nichtsaison, was bedeutet, dass man kaum Touristen trifft und die Motels mit Kampfpreisen locken. So zahlen wir im Schnitt nur etwa 40,--€ pro Zimmer, also nur 20,--€ pro Person in großen Doppelzimmern mit genau dem Komfort, den wir hier auch erwarten, also super. Das Wetter spielt mit, der eine oder andere Einkauf in einem der beiden Mega-Outlets hier in Maine und das schlichte Genießen der für uns doch so angenehmen Atmosphäre, wie zum Beispiel hier in Perkins Cove, einer malerischen Bucht in Ogunquit.

Mehr brauchen wir nicht. Trotzdem stelle ich einige Bilder ein und schreibe ein klein wenig dazu. Das macht mir Spaß und ist für Euch eine hoffentlich immer wieder interessante Lektüre. Also warum sollte ich darauf verzichten?
Maine verfügt in seinem südlichenTeil noch über viele ausgedehnte Sandstrände, die meist in Buchten liegen. Dies gilt insbesondere für den Bereich York, Ogunquit, Wells bis Kennebunk. Wunderbare Strände im Moment trotz teilweise angenehm warmem Wetter menschenleer. Man sieht aber auch zwischen diesen Sandstränden felsige und schroffe Bereiche: Ein Hinweis, wie sich die Küstenlinie nach Norden zeigt. Der Name "Ogunquit" bedeutet etwa "Küstenlagune" oder "schöner Ort am Meer" und stammt von den Ureinwohnern Abenaki.. Die Abenaki waren kein einzelner Indianerstamm, sondern eine Konföderation verschiedener Indianer, die sich gegen andere militärisch stärkere Indianer gebildet hatte. Zwischen der Küstenlinie und dem Hinterland gibt es hier eine Zone Marschland, wo sich Süß- und Salzwasser mischen und Bedingungen für besondere Pflanzen- und Tierarten bilden.


Auch optisch glaubt man sich eher in Holland oder an der Nordsee, als in den USA. Vielleicht ist es aber gerade das, warum wir die Gegend so mögen. Vieles ist wie bei uns, dazu die amerikanische Lebenseinstellung und Freundlichkeit gegenüber anderen Menschen sowie die hochattraktive Architektur der einfachen Häuser mit ihren wundervollen Grundstücken mit viel Natur und Baumbestand und fertig ist die perfekte Urlaubsregion.

Alles ist hier ein Fest für die Sinne, vor allem aber für die Augen. Nächster Programmpunkt und einziges neues Ziel war Portland, die mit dann doch nur 64.000 Einwohnern größte Stadt in Maine. Und dieser Besuch sollte Überraschungen bereithalten. Aber dazu später mehr...

Galiläa, Akko und Tel Aviv; was bleibt?

Und wieder ging es vom Toten Meer aus über die Route 90 der so genannten C-Gebiete durch die Westbank, diesmal aber deutlich weiter in den Norden. Wieder fuhr man mit einem leicht mulmigen Gefühl durch die Dörfer und an größeren Städten, wie z.B. Jericho vorbei. Wenn man in der Westbank Palästinenser bei der Arbeit beobachten Konnte, dann in der Landwirtschaft. Viele Obst- und Gemüsefelder wurden bestellt, teilweise schon abgeerntet. Aktuell sahen wir auf den Ladeflächen vieler Treckeranhänger Auberginen. Dann die erneute „Ausreise“ und das Passieren einer richtigen Grenzkontrollstelle. Die Pässe wurden kontrolliert, wir durften dann aber schnell passieren und fuhren weiter nach Tiberias am See Genezareth. Auch dieser Ort ist biblisch geprägt. In Tabgha, einem Ort wenige Kilometer von Tiberias entfernt, soll das Wunder der Brotvermehrung stattgefunden haben und die Bergpredigt gehalten worden sein. Wir aber haben nach einem kurzen Blick auf den See den Plan eines längeren Aufenthaltes dort aufgegeben und sind nach Westen Richtung Mittelmeer weitergefahren. Nach einer weiteren Stunde Ankunft in Akko, die übliche recht schwierige Suche nach unserem Hotel (wenig Straßen- oder Ortsschilder) und nach Eintreffen wirklich beeindruckt. Unsere Unterkunft wurde direkt in die alten Stadtmauern integriert und es handelt sich wirklich um Mauern. Vom Dach aus hatten wir einen wunderbaren Blick über diese alte, völlig arabisch geprägte Stadt.

 

Hier befindet sich die zweitgrößte Moschee Israels, die wir problemlos besichtigen durften und hierzu für einige Minuten ein deutschsprachiger Araber zur Verfügung stand. Besonders stolz ist man in Akko über die dort verwahrte Reliquie eines Haares des Propheten Mohammed. Sie wird allerdings nur einmal im Jahr der Öffentlichkeit präsentiert.

 

 

 

Hier hatten wir auch mit Bruno & Doris den zweiten Treffpunkt vereinbart, den wir am Abend beim gemeinsamen Abendessen leidlich ausnutzten. Am nächsten Morgen haben wir dann gemeinsam die Stadt, die Zitadelle und einen Fluchttunnel besichtigt. Der Templerorden hatte hier im 12. und 13. Jahrhundert die dritte und später wichtigste Niederlassung. Akko war nach dem Fall Jerusalems 1187 der Hauptsitz der Templer. Diesen Hauptsitz gaben sie auch bis zum 18. Mai 1291 nicht mehr auf. An diesem Tag eroberte der mamelukkische Sultan al-Malik al-Asraf Chalil die Stadt.

 

Nach Akko fuhren wir direkt nach Tel Aviv, wo wir in Strandnähe noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages auskosteten und in einem kleinen Italiener das beste Abendessen der Reise genossen, bevor es gestern Morgen mit dem Flieger zurück in den harten Winter ging.

 

Was bleibt? Es war eine sehr schöne Woche, abwechselungsreich in Landschaften und Wetter, westlich bis orientalisch; christlich jüdisch bis muslimisch. Die kommunikative Feilbietung von Waren, wie sie eben auf Basaren üblich ist, ging uns nach einer gewissen Zeit doch gewaltig auf den Keks. Der Orient ist laut, die Menschen sind freundlich. Die Bewohner stehen uns Deutschen positiv gegenüber. Das gilt für Israel, aber eben auch für Palästina (jedenfalls den Bereich, den der gemeine Tourist besuchen kann). Wir haben uns jederzeit sicher gefühlt, wenngleich die Präsenz der Sicherheitskräfte, überall ausgerüstet mit Maschinenpistolen, hier zum Alltag gehört und man sich damit einfach abfinden muss. Natürlich müssen Palästina und Israel einen Weg finden, der beiden Völkern Sicherheit und Frieden ermöglicht. Wir haben viel miteinander diskutiert über Yad Vashem, den Holocoast, die Auswirkungen, die Mauer um Palästina. Vielleicht sind die Israelis durch die Geschichte auch zu dem geworden, wie sich ihre Führung heute weltpolitisch positioniert. Sie haben schon einmal den „Kopf“ hingehalten, jetzt steht das eigene Überleben und die eigene Sicherheit im Vordergrund, koste es, was es wolle. Aber die Zeit wird hoffentlich auch diese Wunde heilen, genau wie wir Deutschen dort wieder gern gesehene Gäste sind. Vielleicht am besten zeigt sich diese Hoffnung im offiziellen Yad Vashem Memorial pin, wo aus Stacheldraht wieder Hoffnung sprießt.

Unsere Eindrücke werden noch lange nachwirken, schon deshalb hat sich diese Reise wieder voll gelohnt.

Totes Meer und das Weltkulturerbe Massada

Die Fahrt von Jerusalem zum Toten Meer dauerte etwa 1 Stunde. Man fährt über eine Transitstrecke, die direkt durch die Westbank (Palästinensergebiet) führt, aber ausschließlich von Israel verwaltet wird (so genantes C-Gebiet). Nur deshalb ist es uns Touristen auch erlaubt mit einem Mietwagen dort zu fahren. Die Dead Sea befindet sich zwischen Israel und Jordanien. Ein abflussloser See, vollkommen tot. Hier leben weder Fische noch Pflanzen. Das Wasser aber ist sehr mineralstoffhaltig und 26 % des Wassers ist aus Salz. Viele Hautkranke nutzen die positiven Eigenschaften dieser "Suppe" und kuren hier. Untergekommen sind wir in einem Hotel in einer Oase, En Gedi, die in einer vollkommen kargen Landschaft mit Botanik im Überfluss glänzt. Wir haben 26 Grad und konnten bis spät am Abend draußen an der Bar das eine oder andere Glas Wein genießen (was freuen wir uns auf den Sommer).

Highlight dieses Reiseabschnitts war sicherlich die von Herodes dem Großen 37 v.C auf einem 450 Meter hoch auf einem Bergmassiv errichteten Burg Massada.

 

Dieses Weltkulturerbe erreicht man über eine Gondelbahn, die in 3 Minuten die 450 Höhenmeter überwindet. Oben kann man dann ein wirklich großes Areal mit vielen Ausgrabungen und vielen wirklich bemerkswerten Aussichtspunkten besichtigen.


Zentrales Problem war in dieser so kargen Gegend die Wasserversorgung. Aber da hatten sich die Ingenieure der Vorzeit viel einfallen lassen. Als die Burganlage 72 nC nach einer achtmonatigen römischen Belagerung fiel, war es nicht fehlendes Wasser oder Lebensmittel, die die Zeloten zur Aufgabe bewegten, sondern die Tatsache, dass die Römer eine viele hundert Meter hohe Rampe hatten aufschütten lassen und nun die mächtigen Mauern einreißen konnten. Doch die Zeloten wollten sich nicht der Sklaverei unterwerfen und so sie begangen sie am Tage vor der Erstürmung der Burg kollektiven Selbstmord. Fast 1000 Menschen schnitten sich gegenseitig die Kehlen auf. Es war aus der damaligen Sicht ein ehrenhaftes Verhalten, was auch die Römer mit großem Respekt kommentierten. Heute werden Israelische Rekruten auf Massada vereidigt: "Nie wieder darf Massada fallen".  Übrigens, es gibt ein weitgehend unbekanntes, aber großartiges klassisches Musical zum Thema. Es heißt Massada und wurde mit wirklich ganz großem Orchester eingespielt, aber meines Wissens noch so gut wie nie aufgeführt. Bei Interesse, bitte melden!   

Bethlehem, Palästina hinter Mauern

Die Fahrt nach Bethlehem erinnerte fatal an das geteilte Deutschland vor 1989. Bereits nach wenigen Metern sahen wir die "Wall", die Israel in den letzten Jahren um die Westbank und Gaza errichtete, um sich selbst besser gegen Terrorangriffe und Selbstmordanschläge zu schützen. Diese Mauer wurde über insgesamt 680 Kilometer errichtet und ist fast an jeder Stelle 9 Meter hoch. Unsere Einreise dagegen war unproblematisch. Es gibt einen speziellen Übergang für Touristen und die geführte Fahrt in einer Kleingruppe unter 10 Personen wird immer von den gleichen Agenturen veranstaltet. Bereits nach etwa 20 Minuten hatten wir die City von Bethlehem erreicht. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt wie vergleichbare Städte jenseits der Mauer. Eine palästinensische Reiseführerin führte uns zur Geburtskirche, einer der heiligsten Stätten des Christentums. Genau hier soll Jesus geborden worden sein, über den Ort wurde diese Kirche gebaut.

Das Dach der Kirche ziert das Symbol des Sterns von Bethlehem.

Wieder ein furchtbar verbauter Bau mit vielen dunklen Ecken., allerdings nicht so schlimm wie die Grabeskirche in Jerusalem. Während der griechisch-orthodoxe Teil durch mächtige Säulen Struktur in das Kirchschiff bekommt, brilliert der römisch-katholische Bereich durch Helligkeit und freundliche Farben. Es ist das Kirchenschiff, wo der sicherlich wichtigste Gottesdienst aller Christen zu Weihnachten (Ende Dezember) gefeiert wird. Allerdings wird in dieser Kirche gleich dreimal Weihnachten gefeiert, da die verschiedenen Religionen das Fest unterschiedlich terminiert haben. Man könnte durchaus von gutem Marketing sprechen. Das Bild zeigt übrigens die so genannte Geburtsgrotte.

Einige Kilometer entfernt vom Stadtzentrum war eine weitere Grotte Zielpunkt, die Milchgrotte. Hier soll die heilige Familie Zuflucht bei ihrer Flucht nach Ägypten gesucht haben. Beim Stillen fiel dann ein Tropfen Milch von Maria auf den Boden, der sich weiß färbte. Unabhängig von dieser Legende, gibt es hier eine neue Kirche, die mit sehr viel Geschmack und wunderschönen blauen Fenstern ausgestattet wurde und sich in so eklatanter Weise von den anderen Kirchenbauten im Heiligen Land unterscheidet. Nach knapp 3 Stunden war der Ausflug beendet. Zurück, ein Stück an diesem mäuerlichen Ungetüm vorbei und genau so schnell und unkontrolliert zurück auf die Israelische Seite. Was bleibt ist ein schaler Beigeschmack. Ein Volk hinter Mauern zu halten, kann auf Dauer nicht gutgehen. Fakt ist aber auch, dass die Anschläge in Israel seit Fertigstellung der Mauer deutlich zurückgegangen sind. Beide Parteien werden irgendwann eine Lösung finden müssen. Die Menschen der gesamten Region haben es wirklich verdient.