Dokumentation anlässlich des 100. Geburtstages meines Vaters, Erhard Raubuch

Vor einigen Tagen, am 20.12.2009, wäre mein 1967 verstorbener Vater 100 Jahre alt geworden. Das Ereignis wäre vermutlich an mir vorbeigegangen, wenn ich nicht zu Jahresbeginn einen Brief von Paul Sperling aus Püttlingen erhalten hätte. Paul Sperling ist Heimatforscher und auf meinen Vater gestoßen, der bis 1935 mit seiner Familie in Püttlingen lebte und dort als junger Mann bereits künstlerisch in Erscheinung trat. Er hatte sich früh der geistlichen Musik verschrieben. Unter anderem wurde in der Liebfrauenkirche in Püttlingen am 6.1.1933 die erste von ihm selbst komponierte Messe uraufgeführt. Sperling jedenfalls bat mich um Unterstützung, da er eine Dokumentation erarbeiten wollte. Ich wusste nicht so recht, wie ich ihm würde helfen können. Meine Erinnerungen an die 60er-Jahre sind bis zur Unkenntlichkeit verblasst. Sehe ich meinen Vater auf Bildern, bleibt er mir fremd, was sicherlich auch kein Wunder ist. Nun, ich habe in den wenigen Unterlagen und Bildern, Noten und Zeitungsausschnitten das eine oder andere gefunden und Herrn Sperling zur Verfügung gestellt. Zwischenzeitlich wurde das bemerkenswerte Buch fertig gestellt.

 

Es enthält ein Grußwort meinerseits, welches Ihr nachfolgend lesen könnt. Das Buch „Erhard Raubuch, ein Leben für die geistliche Musik“, wurde vom „Heimatkundlicher Verein Püttlingen“ herausgegeben. Herr Sperling wird das Werk in Püttlingen bei einem Empfang anlässlich eines großen Gedenkkonzertes in der Liebfrauenkirche am 17.01.2010 vorstellen. Wer sich für das 115 Seiten umfassende Buch interessiert und es käuflich erwerben will (knapp 10,-- Euro), kann sich gerne bei mir melden.

Grußwort:

Lieber Herr Sperling, meine sehr verehrten Damen und Herren, auf den nachfolgenden Seiten haben Sie, lieber Herr Sperling, viele Fakten über meinen verstorbenen Vater Erhard Raubuch zusammengetragen. Hierfür möchte ich mich zuallererst bei Ihnen persönlich bedanken und Ihnen Respekt zollen für Ihr Engagement und Ihre Hartnäckigkeit bei den monatelangen Recherchen. Als Sie vor vielen Monaten erstmals mit mir Kontakt aufnahmen, war ich unsicher, ob ich Ihnen überhaupt würde helfen können. Ich hatte mich auch noch nie mit meiner eigenen Familiengeschichte beschäftigt. Mein Vater war bereits 1967 gestorben, da war ich selbst erst 4 Jahre alt. Meine Erinnerungen an ihn beschränken sich auf Fragmente, auf Blitze der Erinnerung. Meine im Juni 2008 verstorbene Mutter Monika tauchte nach seinem Tode in ein anderes Leben ein und als kleines Kind geht man einen solchen Weg fraglos mit. Da meine Mutter in ihren letzten Lebensjahren von mir betreut werden musste, fielen mir natürlich viele Originale meines Vaters in die Hände, die ich nie zuvor gesehen hatte: Kompositionen, Noten, Briefe, Zeitungsausschnitte, Schmalspurfilme und Photos. Aber erst die umfangreiche Faktensammlung, die Sie, verehrter Herr Sperling, mit diesem Werk zu seinem 100. Geburtstag heute vorlegen, vervollständigt das Puzzle der Familie Raubuch. Es zeigt mir, dass Erhard Raubuch ein herausragender Musiker und Komponist war. Saarland und Ruhrgebiet, hier war mein Vater zuhause. Regionen, die in den vergangenen hundert Jahren vor allem durch das schwarze Gold, Kohle und Bergbau beeinflusst waren. Geprägt aber auch von Menschen, die durch Offenheit, Ehrlichkeit und Tatkraft den Wirren der Zeit Kontrapunkte entgegensetzten. Hier fühlten sich Raubuchs wohl und so fühle auch ich mich heute als Kind des Ruhrgebietes, obwohl ich seit 40 Jahren dort nicht mehr lebe. Neben den unzähligen Kompositionen meines Vaters, bleibt für mich persönlich seine immer überdauernde Lebensleistung die Gründung des Essen-Steeler Kinderchores, der ja auch heute noch ein kulturelles Aushängeschild der Kulturhauptstadt 2010 ist. Der Chor war manchen Sängerinnen und Sängern in Vor-, Haupt- und Ehemaligenchor Lebensbegleiter. Mein Vater wäre sicher begeistert, wenn er hätte erleben können, wie dieser Chor die Zeit überdauerte und noch heute seine Kompositionen singt und spielt. Ihnen, Herr Sperling, wünsche ich alles Gute, und Ihnen, liebe an Erhard Raubuch Interessierte, eine spannende und erkenntnisreiche Lektüre. Ich jedenfalls hatte dabei viel Freude. Herzliche Grüße nach Püttlingen 

Auch der Essen-Steeler Kinderchor gedachte in zwei Veranstaltungen diesem „runden“ Geburtstag im traditionellen Weihnachtskonzerts am 19.12.2009 in der Essener Philharmonie und in einem Gedenkgottesdienst in der Steeler Kirche St. Laurentius. Zu dem Weihnachtskonzert waren Klaudia und ich als Ehrengäste eingeladen. Es war ein bewegender Abend. Ich hatte noch vor einem Jahr nicht daran gedacht, mich jemals mit meiner eigenen familiengeschichtlichen Vergangenheit zu beschäftigen. Ich habe viele interessante Aspekte erfahren. Dafür bin ich vor allem Paul Sperling aus Püttlingen dankbar. 

 

25.12.09 16:20

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