RWE oder Liebe kennt keine Liga

Seit Jahren nur noch Frust, Kopfschütteln und Tränen; so könnte man die Gefühlslage des gemeinen RWE-Fan beschreiben. Nach 3 (!) Abstiegen hintereinander, findet sich der Verein nun in Liga 5 wieder und muss über diese Startberechtigung noch glücklich sein. Denn seit 30.6.2010 kreist der Pleitegeier sehr niedrig über der Hafenstraße. Doch das Insolvenzverfahren wurde fristgerecht eröffnet und der wirklich professionelle Verwalter macht einen guten Job. Schon nächste Woche wird die Gläubigerversammlung stattfinden und nach Lage der Dinge einen kompletten oder annähernd vollständigen Forderungsverzicht erklären. Und hier geht es wirklich nicht um Peanuts, immerhin ist der Schuldenstand auf über 13 Millionen Euro gestiegen. Was mich aber so sicher macht? Die alten Gläubiger sind die aktuellen Sponsoren. Was würde das aktuelle Engagement sonst für einen Sinn machen? Und dann war es wieder soweit. Am gestrigen Abend Saisoneröffnung im Trümmerhaus des deutschen Fußballs. Unter dem Licht der nur 3 Flutlichtmasten und angefeuert von Fans, die auf nur noch 2 ¼-Tribünen ihre Plätze fanden, ging es gegen einen Stadtteilclub aus Duisburg, den VfB Homberg. Und viele trauten schon zu Spielbeginn ihren Augen nicht. Menschen strömten, als hätten die Abstiege nicht stattgefunden und die Kulisse von 6250 Zuschauern, die nebenbei den alten Zuschauerrekord der 5. Liga von 2400 geradezu pulverisierte, machte einen irgendwie stolz und weckte genau die Emotionen, die seit Jahren wie verschüttet schienen. Plötzlich war es wieder da, dieses Heimatgefühl, dieses emotionale Band zwischen Verein, Fans und Mannschaft. In den letzten Jahren gerissen und zerrüttet, schaffte es die neue Mannschaft mit einem Durchschnittsalter knapp über 21 Jahren, die Vorschusslorbeeren durch den zahlreichen Besuch der Fans zurückzuzahlen. Sicher hat bei weitem nicht alles geklappt und beim spielerischen Niveau dieser Liga muss man Abstriche machen, aber das ist in dieser schwierigen Phase, in der sich der Verein befindet, ziemlich egal. Kampf und Einsatzwille waren toll und das hat man hier viel zu lange nicht mehr gesehen. Und letztlich zahlte es sich aus. Als 1 Minute vor Schluss Alexander Thamm, ein Abwehrmann, mit einem Seitfallzieher ein Traumtor zum 1:0 erzielte, glich die Hafenstraße wieder dem emotionalen Schmelztiegel, der sie so berühmt und kultig machte. Jedenfalls hat der totgeglaubte Mythos gestern in seinem Grab von innen an den Deckel geklopft. Ob man ihn wird bergen können? Das werden die nächsten Monate zeigen. 

14.8.10 10:22

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