Dresden, die barocke Stadt hat uns mächtig beeindruckt

Die letzte Reise in 2010 führte uns erstmals in den ehemaligen Osten. Ein Wunsch, den wir schon lange hatten, aber erst in den vergangenen Tagen realisierten. Und es sollte Dresden sein. Zunächst hatten wir am Einheitstag (3.10.) besonders günstige Flugtickets von Lufthansa erwerben können, so dass wir nach knapp 60 Minuten am modernen und überschaubaren Dresdner Flughafen ausstiegen. Danach 15 Minuten S-Bahn und 8 Minuten Tram und wir waren am Hotel und dies für sagenhafte 2,--€ pro Person. Man hat in Dresden einfach das Tarifsystem entzerrt und das gesamte Stadtgebiet (eben einschließlich des Flughafens) in die 2,--€-Zone gepackt. Das war schon einmal ein guter Einstieg. Der Tipp eines Kollegen war Gold wert. Er hatte uns das Hotel „Am Terrassenufer“ empfohlen, preiswert, direkt an der Elbe, fünf Minuten zur Altstadt, hohes Gebäude (12 Etagen), von außen bieder, von innen schön renoviert mit großen Räumen und einem sagenhaften Blick auf die immer wieder mit Florenz verglichene Altstadt-Silhouette. Ich bemühte mich natürlich um ein Zimmer weit oben und gelandet sind wir in Raum 1201, also optimaler geht’s kaum.


 Die Frauenkirche haben wir dann noch am Abend besucht. Immer um 12.00 und um 18.00 Uhr finden dort Andachten mit anschließender Kirchenführung statt. Das hat den Vorteil, dass man sitzenbleibt, in der Zeit Publikumsverkehr unterbunden ist und man auch einige Töne der Orgel genießen darf. Und es ist ein Wahnsinn. Für mich vor allem innen durch die hellen Farben und viel Licht eine Kirche, die man so eher in Italien und sicherlich auch eher bei der Konkurrenz vermutet.


In Verbindung mit der Geschichte der Zerstörung bei den schlimmen Dresdner Bombenangriffen im Februar 1945 und dem Wiederaufbau, finanziert mit Spendengeldern aus der ganzen Welt, ist hier ein Monument des Friedens, der Versöhnung und der Solidarität entstanden. Als am 31.10.2005 die Kirche geweiht wurde, dürften nicht nur Dresdnern die Tränen in den Augen gestanden haben.


Die Folgetage waren dann ein Marathon von über 20 Stunden Besichtigungstour durch die Altstadt, ein Walk über die Prager Straße (Einkaufsstraße) zum Hauptbahnhof, ein Abstecher zum Panometer, zum „blauen Wunder“ und die Besuche vom Zwinger, der Hofkirche, der Semperoper (mit Führung) und den Museen im Residenzschloss mit seinen unglaublichen Reichtümern. Daneben blieb immer ausreichend Zeit, um das wirklich gute Essen in verschiedenen Gewölberestaurants (Sophienkeller, Pulverturm), ein gutes Glas Wein und das eine oder andere Radeberger zu immer guten Preisen zu genießen.

Wir begannen mit einem 90-minütigen geführten Stadtrundgang (besser kann man in eine solche Städtetour nicht starten), der uns an alle wichtigen Punkte führte. Danach war klar, dass sich in der Altstadt die vielen Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum befanden und die überall angebotenen Stadtrundfahrten eher überflüssig sind. Ich kann und will hier nicht auf alle Einzelheiten eingehen, deshalb nur kurze Infos zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten. Der Zwinger ist sicherlich ein Meisterwerk der Barockarchitektur. Hier hat schon August der Starke gefeiert. Am Glockenspielpavillon hängt eine sehenswerte Uhr mit einem Glockenspiel, das allerdings nur um 10.15, 14.15 und 18.15 Uhr etwas länger (so 3 Minuten) mit klassischen Melodien zu hören ist.


Neben dem Zwinger die Semperoper, ein Gebäude, welches nach den gleichen Bauplänen in der Geschichte gleich dreimal neu errichtet wurde: 1841 (vernichtet durch Brand 1869), Neubau 1878 (zerstört im Februar 1945 bei der Bombardierung), 1985 nach achtjähriger Bauzeit. Nun erstrahlt das Theater in neuem Glanz. Wer vermutet den Vorraum schon in einem solchen Bau?


Die katholische Hofkirche (offiziell: Kathedrale St. Trinitatis) wurde 1754 fertig gestellt. Die Kirche entstand nur deshalb, weil August vom evangelischen zum katholischen Glauben konvertieren musste, um 1697 König von Polen werden zu können. Und er benötigte einen repräsentativen Kirchenbau, dessen Vollendung er aber nicht mehr selbst erlebte. Die evangelische Kreuzkirche ist mit 3600 Plätzen eine der größten evangelischen Kirchen Deutschlands, ein -ich muss es so sagen- erschreckend schmuckloser Bau mit schmutzig wirkendem Rauhputz an den Innenwänden. Sehr beeindruckend auch der Fürstenzug, eine Ahnengalerie der Wettiner in der Augustusstraße, die Hofkirche/Theaterplatz mit dem Neumarkt (Frauenkirche) verbindet. Das größte Porzellanbild der Welt zeigt 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige von 1123 bis 1906, dazu weitere 58 Personen. Es ist 1907 aus 25000 Fliesen edlen Meissener Porzellans entstanden. Obwohl es über 100 Meter lang ist und fast 1000 m/2 Fläche belegt, wurde es 1945 kaum beschädigt. Es lag wohl an dem feuerbeständigen Porzellan. Jedenfalls ein beeindruckendes Monument mitten in der Altstadt.


 

Auf zwei Attraktionen außerhalb der Altstadt möchte ich aufmerksam machen. Das blaue Wunder, eine Metallbrücke auf Granitpfeilern wurde 1893 gebaut und galt damals als technisches Meisterwerk.


Heute kann man von hier aus gut den Stadtteil Loschwitz mit seiner Standseil- und Bergschwebebahn erreichen. Aber auch Dresdens Elbufer präsentiert sich hier von seiner schönsten Seite.


In einem alten Gasometer befindet sich ein 360-Grad Rundumbild des barocken Dresdens. Es ist ein lebendiges Bild mit Menschen, Geräuschen und den Gebäuden in einer fantastischen Präsentation. Man kann innerhalb des Gasometers etwa 30 Meter auf eine Plattform steigen und hat einen geradezu majestätischen Blick in alle Richtungen, rundum eben. Eine sehr, sehr schöne Erfahrung.  

Zu den Museen im Residenzschloss muss ich noch etwas ausholen. August der Starke, Kurfürst zu Sachsen (1670-1733) hatte Geld wie Heu, viel Macht und Einfluss und nur eine wirkliche Leidenschaft: Das Sammeln von Kunst und wertvollen Gegenständen. Was dieser spätere König von Polen (ab 1697), dessen Herz sich in der Gruft der Hofkirche befindet (sein Körper liegt in der Wawelkathedrale in Krakau), zusammengetragen und gekauft hat, ist unglaublich. In den vielen Museen der Stadt lagern unvorstellbare Reichtümer. Wir haben uns beschränkt auf das Schloss und das grüne Gewölbe mit dem angeschlossenen historischen Teil. Hierfür müssen Zeiteintrittskarten (Internet oder Tageskasse) erworben werden, da sich in diesen Räumen in einer Stunde nur 100 Besucher gleichzeitig aufhalten dürfen. Im historischen grünen Gewölbe wurden zu Kriegsende nur drei der acht Räume vollständig zerstört. Die Schätze konnten dagegen überwiegend gerettet werden. Nach aufwendigen Restaurationsarbeiten erstrahlt alles in hellem Glanze. Hier findet sich von Gemälden über Edelsteine, Elfenbeinschnitzereien, Gold-, Silber-, Bronze- und Bernsteinarbeiten nur Wertvolles. Und die Gegenstände sind alle 300-500 Jahre alt. Faszinierend ist auch ein Kirschkern, den man unter einer Lupe betrachten kann und in den angeblich 180 individuelle Gesichter geschnitzt wurden. Experten konnten zwar nur 113 entdecken, aber auch dies ist schier unvorstellbar. Eine wirklich beeindruckende Sammlung, die man sicher gesehen haben muss. Es stehen kostenfreie Audioguides zur Verfügung.  

Fazit: Eine tolle Städtetour in einer wunderbaren Stadt mit entspannten und freundlichen Bewohnern. Ich weiß zwar nicht wirklich, was wir erwartet hatten, aber wir fühlten uns von Anfang an gut und sicher aufgehoben. Es wird auch Motivation dafür sein, uns mit anderen Orten im Osten der Republik zu beschäftigen. Aber auch Dresden wird uns wiedersehen, das nächste Mal hoffentlich zur Vorweihnachtszeit.

Ab sofort beginnen wir dann mit der Planung und Organisation unseres nächsten Trips. Ende März 2011 stehen dann Lissabon & die Mitte Portugals auf dem Programm. Dann sicherlich wieder mit Berichten direkt von dort.       

5.11.10 11:17

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