Nuyumbalees, wir trafen auf ein Indianervolk

Nach unserer Rückkehr an die Ostküste von Vancouver Island, mieteten wir uns in ein wirklich gutes Motel in Courtenay ein, eine Stadt, die etwa 60 Kilometer südlich von Campbell River liegt. Hier leitete uns das Internet in ein ausgezeichnetes kleines Restaurant (Cafe Atlas), deren Bewertungen sehr gut waren und sich dies als vollkommen richtig herausstellen sollte. Klaudia durfte an einem der beiden Tage sogar sehr leckere gefüllte Kohlrolladen essen, das hatten wir hier wirklich nicht erwartet. Von Campbell River hatten wir uns vorgenommen, mit einer Fähre nach Quadra Island überzusetzen, eine der großen Inseln, die sich zwischen dem Festland und Vancouver Island befinden. Die Überfahrt dauerte gerade einmal 10 Minuten. Danach ging es zunächst zu einem total abgelegenen, aber wunderschönen Leuchtturm (doch, schon wieder so ein Teil!) am Cape Mudge. Auch hier wieder das übliche Bild. Nicht der Leuchtturm fansziniert, sondern das so stimmige Gesamt-Ensemble.



Danach besuchten wir die Nuyumballes, ein Indianervolk Kanadas (First Nation). Die Angehörigen betreiben seit 1979 ein Museum, wo die Geschichte, die Mythen, die Riten dieser Indianer vorgestellt werden. Als wir dort ankamen, schickten uns die Bediensteten gleich an den in der Nähe befindlichen Strand. Dort wurde gares Gemüse aus einem Erdofen entnommen und abtransportiert. Wir haben nicht rausgefunden, ob dies etwas mit Thanksgiving zu tun hatte, aber es war sehr beeindruckend und würdevoll, wie die Beteiligten mit den "einfachen" Gaben der Natur umgingen.

Im Museum waren es dann vor allem die künstlerisch wundervollen Masken, die uns sehr beeindruckten. Aber die traurige Geschichte aller Indianerstämme Kanadas ließ einen faden Beigeschmack zurück. Von 1884 bis 1951 wurden sie alle vom kanadischen Staat diskriminiert und durften ihre Gebräuche und Traditionen unter Androhung von Strafen nicht ausüben. Damit wurden Zeremonien aller Art in den Untergrund verdrängt und wurden viele Jahrzehnte lang nur noch in abgelegenen Dörfern der Provinz vollzogen. Überall trieben sich "Indian Agents" herum, die jede Zuwiderhandlung meldeten. Das alles erinnerte mich ungemein an die Stasi und an den Umgang der Türken mit den Kurden. Irgendwie wiederholen sich diese Unsäglichkeiten immer wieder auf dieser Welt.


Daneben mussten die Indianer alle ihre Schätze und Kunstgegenstände dem Staat überlassen. Der wiederum nahm vieles nicht so genau und so wurden manche Dinge an Sammler in aller Welt verkauft. Damit waren sie in vielen Fällen für immer verloren. Glücklicherweise änderte die kanadische Regierung ihren Umgang mit der First Nation radikal und so normalisierte sich das Verhältnis ab 1951. Der Staat gab die konfizierten Gegenstände an die rechtmäßigen Eigentümer zurück und glücklicherweise schlossen sich zumindest die Museen der Welt an und taten es dem kanadischen Staat gleich. Auf diese Weise ist es nun möglich, Interessierten aus aller Welt die Geschichte der Nuyumbalees näherzubringen. Es waren beeindruckende und nachdenklich machende Stunden. Viele der Botschaften lassen sich problemlos auf unsere Gesellschaft und Situationen übertragen. Und nicht jede dieser Wahrheiten ist schön.

Gestern haben wir Vancouver Island wieder per Fähre verlassen und werden unsere Reise nun mit einem Besuch von Vancouver beenden.

3.10.11 06:57

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