Paris, Stadt mit Charme und Niveau

Da mussten wir fast 50 werden, um im März 2012 erstmals überhaupt in ein französisch sprechendes Land zu reisen. Richtung Westen war ja schon bisher die bevorzugte Richtung, aber ein Stopp nach nur gut 3 Stunden etwas Neues. Also, für 4 Tage nach Paris, da sollte eigentlich auch sprachlich nicht viel schief gehen. Wir bevorzugten die Anreise mit dem Zug, denn der Thalys braucht von Köln nur 3 Stunden und 15 Minuten, der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Brüssel und Paris sei Dank. Und Thalys ist angenehm. Man sitzt gut in Großraumwagen, breit, mit Beinfreiheit und immer auf reservierten Plätzen, damit keine Hektik, keine überfüllten Gänge und dies alles für 58,--€ hin und zurück, klasse! An einem Sonntag ging es los, schon mittags trafen wir am Gare de Nord ein. Danach erste Orientierung (wir brauchten ja sofort Tickets für die Metro), Hilfestellung von einem freundlichen Franzosen am Automaten. 10er-Karte mit attraktivem Preisvorteil zu Einzelfahrscheinen gekauft (25%) und schnell und sicher direkt in die Innenstadt zur Kathedrale Notre Dame. In unmittelbarer Nähe, im Quartier Latin, hatten wir dort ein Zimmer in einem bezahlbaren, kleinen Hotel (College de France) gebucht. Wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, eine gute Wahl. Sich Paris zu nähern, einen Plan für gut 3 Tage zu realisieren, erfordert - wie eigentlich bei allen Kurzreisen - eine vernünftige Vorbereitung. Besonders geholfen hat uns dabei der Paris-Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag (Empfehlung!). Dieser Führer arbeitet vor allem mit Spaziergängen und erschließt damit jeden Stadtteil auf eine sehr eigene Weise. Damit war auch klar, dass wir keine der typischen Stadtrundfahrten (hop on, hop off) buchen würden, denn wir wollten Paris zu Fuß und mit der Metro erkunden. Gute Entscheidung, obwohl wir uns nach 3 Tagen wie gerädert fühlten. Das lag aber vor allem an den gefühlten 1000 Treppenstufen, denen man in Paris nicht entgeht: in den Metro-Stationen, an wichtigen Sehenswürdigkeiten, in Museen. Treppen sind halt aus dem Pariser Stadtbild nicht wegzudenken. Da wir den Bahnhof schon mittags erreichten, konnte es auch gleich losgehen. Nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt, besuchten wir die Kathedrale Notre Dame und das Pantheon. Notre Dame liegt auf einer Insel in der Seine, der Ile de la Cité.


Einen ausgezeichneten Eindruck der mächtigen Kirche erhält man von einer naheliegenden Dachterrasse des L'Institute de Monde Arabe. Die Terrasse ist für alle Interessenten frei zugänglich (Tipp!). Was den Kölnern ihr Dom, ist den Parisern ihre Kathedrale. Viele, viele Besucher, die das Kirchenschiff fluten, selbst dann, wenn dort Messen stattfanden. Auch beim Betreten fühlten wir uns wie in Köln. Keine Wunder, es sind halt beides gotische Bauwerke, Der Bau von Notre Dame begann im Jahre 1163, der des Kölner Doms 1248. Trotzdem blieb der Eindruck irgendwie matt, ganz anders als bei der abseits der Innenstadt, auf einem Hügel errichteten Kirche Sacré Coeur. Diese im Zuckerbäckerstil im Jahre 1870 errichtete Bau ist kunsthistorisch zwar ohne große Bedeutung, aber die Wärme, die bunten Kirchenfenster und die spürbare Andächtigkeit der Besucher, machten viel größeren Eindruck.


Man genießt von den Treppenstufen aus einen wunderbaren Blick über die Dächer von Paris. Im Sommer übervoll, war es jetzt doch sehr angenehm und man konnte die Blicke richtig genießen. Und der Stadtteil Montmartre hat sehr viel mehr zu bieten. Schon wenige Meter hinter der Kirche, am Place du Tertre, befinden sich jeden Tag Maler, die ihre Bilder feilbieten und auf Wunsch auch Portraits anfertigen.


Das Magische des Platzes liegt in den schmalen Wegen, der Überschaubarkeit und den prächtigen Schaufenster-einfassungen der kleinen Läden und Restaurants rund um den Platz. Hier erhält man erstmals ein Gefühl für die Stadt oder das, was man dafür hält. Denn natürlich ist auch dieser Ort touristisch geprägt. Nur sollte man auch nicht jeden dieser für einen selbst angenehmen Augenblicke hinterfragen und einfach nur genießen. Aber Montmartre hat mehr zu bieten. Etwas südlich rund um das Opernhaus und die Börse befinden sich viele Geschäfte und große Kaufhausgalerien. Teilweise aber findet man diese Läden in alten, überdachten Passagen.


Diese Wege von Straßenzug zu Straßenzug sind etwa Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut worden und erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Hier kann man flanieren und findet viele gute Restaurants. Auch der Besuch des Panthéons hat sich gelohnt. Beim Betreten stellt sich sofort der Eindruck einer römischen Kirche ein, vielleicht sogar des Petersdoms in klein. Im Keller befindet sich ein geschmackvolle Krypta, wo sehr viele „große“ Franzosen ehrenhalber begraben sind: von Voltaire bis Victor Hugo, von Marie Curie bis Alexandre Dumas. Das Thema Tod wird uns später noch einmal beschäftigen, hier im Panthéon aber steht im Zentrum das dort immer noch schwingende so genannte Foucaultsche Pendel.


An einem 67 Meter langen Draht hängt von der Decke ein 28 Kilogramm schwerer und 60 Zentimeter Durchmesser umfassender Pendelkörper. Am unteren Ende des Pendelkörpers befindet sich eine Spitze, die beim Erstversuch im Jahre 1851 mit jeder Schwingung eine Spur in ein Sandbett am Boden des Panthéon hinterließ. Und das Pendel schwingt keineswegs gleichmäßig um die eigene Achse, sondern wird durch die Erdrotation nach rechts abgelenkt. Der Versuchsaufbau ist auch heute noch sehr beeindruckend. Bei recht gutem Wetter haben wir uns dann für eine Auszeit entschieden und sind zum Friedhof Père Lachaise gefahren. Schon in Wien hatte es uns der Zentralfriedhof angetan, aber hier ist doch alles anders. Viele Hochgräber, manche Grabstätten von einer Wucht und Größe, die bei uns sogar normale Friedhofskappellen überragen. Man kann in Ruhe schlendern, an diesem Ort die Seele sprichwörtlich baumeln lassen. Aber einmal wird sie dann doch gestört: die Ruhe. Jim Morrison, der Frontmann der legendären Gruppe „The Doors“ ist hier begraben und an diesen Ort zieht es immer noch jede Mengen Menschen. Ein Baum in der Nähe muss dran glauben; er wird von den Fans mit Stift und Kaugummi für ihre Gedanken an den Toten verwendet.

 Aber auch Oscar Wilde, Edith Piaf, Frédéric Chopin und viele andere sind hier begraben. Einen Lageplan gibt’s am Eingang. Zwei weitere Sehenswürdigkeiten kann und darf man in Paris nicht auslassen. Das gigantische Museum Louvre und natürlich den Eiffelturm. Will man alle Räume des Louvre sehen, muss man 17 Kilometer Fußweg in Kauf nehmen, schier unmöglich, denn Museen sind keine Sport- sondern Kulturstätten.


Sehr schön, dass im gesamten Gebäude fotografiert werden durfte. Wir hatten uns entschieden, nur zwei Abteilungen zu besuchen, die ägyptische und die der  italienischen Maler mit der Mona Lisa. Ok, die Mona Lisa ist der Anziehungspunkt. Gesichert hinter Panzerglas wird dieses über 500 Jahre alte Gemälde von Leonardo da Vinci immer von hunderten Besuchern umringt. Das Gemälde soll mehr wert sein, als alle anderen Kunstschätze im Louvre zusammen, taxiert auf unvorstellbare 400 Milliarden (!) Euro. Hier bekommt das Wort „unbezahlbar“ eine völlig neue Dimension. Ansonsten Treppe runter, Treppe rauf. Man muss ausreichend fit sein, um im Museum einigermaßen herumzukommen. Gut zwei Stunden reichten uns für einen kleinen Eindruck eines riesigen Kunstpalastes. Der Eintritt ist mit 10,--€ nicht teuer. Ja, und der Eiffelturm. Entgehen kann man ihm nicht, rauf muss man nicht, aber aus der Nähe ansehen ist einfach Pflicht. Das 318 Meter hohe Wahrzeichen von Paris wurde 1889 von Gustave Eiffel zur Weltausstellung 1890 gebaut; ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Bögen zwischen den Grundpfeilern sind so berechnet, dass der Turm auch unter extremsten Windbelastungen aufgrund des Eigengewichts ausgeschlossen ist. Wir haben uns eine Zeitlang das Treiben rund um den Aufstieg angesehen, sind aber selbst nicht hoch, sondern über die Brücke auf die andere Seite der Seine gelaufen, wo man vom Vorplatz des Palais de Chaillot den wohl besten Blick auf das Bauwerk hat.


Weiter zu Fuß zum Arc de Triomphe und danach langsamer schlendernd über die Champs Elysées endete unsere Power-Tour durch die französische Hauptstadt.

Was ist uns in Paris aufgefallen? Einheimische und Besucher wirkten sehr entspannt, locker und mit Niveau. Es war überall sehr sauber, an keiner Metrostation fand sich auch nur ein kleines Graffiti. Überall sind städtische Mülleimer aufgestellt, so viele habe ich noch nirgendwo gesehen. Das Metronetz ist klasse, die Fahrtakte zu Stoßzeiten 2 Minuten. Jede Fahrt kostet nur 1,27 € und man kann hiermit jeden Punkt der erweiterten Innenstadt erreichen. Bettler gab es, ja, aber weniger und nicht so aggressiv. Man fühlte sich eigentlich überall sehr sicher, was auch an der durchaus sichtbaren Polizeipräsenz lag. Interessant war es, dass wir uns auf der Rückfahrt in der S-Bahn zwischen Köln und Leverkusen weniger wohl fühlten, als auf allen Fahrten in den Pariser Bussen und Bahnen. Sprachlich war der Mix aus französisch, englisch und "Händen und Füßen" völlig ausreichend. Für uns hat auch französisch seinen Schrecken verloren, was uns für die Zukunft nun auch den östlichen Teil Kanadas eröffnet. Fazit: eine wunderbare Stadt. Die fast 4 Tage haben nur ausgereicht, um sich einen Überblick zu verschaffen und völlig verschiedene Wesenszüge der französischen Hauptstadt zu begreifen. Wir haben uns  ausgesprochen sicher- und wohlgefühlt. Wer Städtereisen liebt, gut zu Fuß ist, Museen und das Flair unendlich vieler Restaurants und Cafes mag, ist hier ohne Einschränkung gut aufgehoben. Nur bedarf es vorheriger Planung, sonst verliert man, ob des üppigen Angebotes, schnell den Überblick.

9.3.12 13:29

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